Die Sammlung – eine neue kulturelle Dimension

Seit den Anfängen des Sortengartens ins Erschmatt in den 1980er-Jahren hat der Roggen besondere Aufmerksamkeit erhalten, um sowohl alte Sorten als auch die biologische Vielfalt zu bewahren und zu erforschen.

Um dieses Natur- und Kulturerbe in seiner Gesamtheit – materiell und immateriell – zu erfassen, entwickelt die Erlebniswelt Roggen Erschmatt seit 2024 eine neue Sammlung, diesmal nicht von Samen, sondern von Objekten.

Roggen – weit mehr als nur ein Getreide

Die Objekte dieser Sammlung zeugen von einer langen gemeinsamen Geschichte zwischen Secale cereale L. und uns, die bis vor rund 2000 Jahren zurückreicht. Seit dieser fernen Zeit hat sein Anbau unsere Landschaften geprägt, etwa durch den Bau von Terrassen und Stadel.

Seine Körner nährten Körper und Geist mit dem berühmten Schwarzbrot, während sein Stroh zum Binden der Reben und zur Herstellung der Hüte unserer traditionellen Trachten verwendet wurde. In den letzten hundert Jahren folgten tiefgreifende Umbrüche aufeinander – von der Umstellung auf eine bäuerliche und arbeitende Gesellschaft hin zu einer Berglandwirtschaft, die stärker auf die Pflege der Kulturlandschaft ausgerichtet ist.

Weit davon entfernt zu verschwinden, haben sich Roggen und seine Traditionen in neuen Formen des Konsums neu erfunden, die lokale Ressourcen und regionale Kreisläufe aufwerten.

Ein vielschichtiger und menschlicher Ansatz

Einer der Grundsätze unserer Sammlung besteht darin, dass der Wert der Objekte weniger in ihrer Materialität oder ihrer Herstellungstechnik liegt als vielmehr im sozialen, kulturellen und praktischen Kontext, in den sie eingebettet sind. Der Mensch und seine Beziehung zur mit dem Roggen verbundenen Tradition stehen dabei stets im Zentrum dieses Projekts.

Geschichte des Roggens im Wallis

Die Sammlung zeichnet die Geschichte des Roggenanbaus im Wallis nach – von seinen ersten Nachweisen bis zur Entwicklung des Walliser Roggens vom 12. bis ins 21. Jahrhundert. Besonderes Augenmerk gilt der Zeit vom mittleren 20. Jahrhundert bis heute, einer Phase, die sowohl durch den Bruch mit der Subsistenzwirtschaft als auch durch eine schrittweise Aufwertung des Roggenbrots und die Anerkennung seiner kulturellen Bedeutung geprägt ist.

Erschmatt wird dabei als exemplarischer Fall verstanden, der sowohl für das Wallis als auch für die inneralpinen Kulturräume repräsentativ ist.

Identitätsmarker und soziale Praktiken

Rund um den Roggen hat sich ein Geflecht von Zeichen und Praktiken entwickelt, das die Zugehörigkeit zu einer familiären, lokalen oder regionalen Gemeinschaft ausdrückt. Zahlreiche Familiennamen tragen bis heute Spuren der einstigen Allgegenwart von Roggen und Getreide in der Region: Bittel, Boisset, Farinet, Gattlen, Gertschen, Meunier usw.

Diese Elemente sind keineswegs statisch, sondern verändern sich im Laufe der Jahrhunderte. Ein gutes Beispiel dafür ist das Roggenbrot. Einst gemeinschaftlich in den Bannöfen gebacken, galt dieses „schwarze Brot“ lange Zeit als sowohl abgewertet als auch lebensnotwendig für die alpine Bevölkerung. Heute hingegen wird es als industriell hergestelltes Produkt wahrgenommen, das als ausreichend hochwertig und symbolträchtig gilt, um die AOP-Bezeichnung zu tragen und Teil der bekannten Walliser Teller zu sein.

Kultur, Verarbeitung und Verwendung

Der Roggenzyklus vom Korn bis zum Brot war in eine Abfolge von Handlungen und Wissen eingebettet, die das landwirtschaftliche Jahr strukturierten. Diese Tätigkeiten waren eng mit spezifischen Räumen, Gebäuden und Werkzeugen verbunden und bildeten klar umrissene Praktiken, die das soziale Leben prägten.

In einer von Autarkie geprägten Wirtschaft stellte diese Pflanze eine äußerst vielseitige Ressource dar – von der traditionellen Heilkunde bis hin zum alltäglichen Gebrauch. So wurde das Stroh etwa für die Mulchung von Gemüsegärten, als Einstreu und Futter für das Vieh, zur Herstellung von Strohsäcken und Kleidungsstücken oder zur Bindung der Reben verwendet.

Im Laufe der Zeit hat sich dieser Zyklus grundlegend verändert. Gemeinschaftliche Arbeiten und der Einsatz von Pferden wurden durch Mechanisierung ersetzt, das traditionelle Brotmesser durch elektrische Schneidemaschinen und der Strohhut durch die Baseballkappe.

Einflüsse und Austausch

Der Roggenanbau und seine Traditionen beschränken sich nicht auf das Wallis, sondern sind Teil des gesamten Alpenbogens, wie das Beispiel des valdostanischen Festivals Lo Pan Ner zeigt, das sich inzwischen auf Frankreich, Italien, die Schweiz und Slowenien ausgeweitet hat.

Diese Entwicklung wirft Fragen nach der historischen und gegenwärtigen Zirkulation von Wissen, landwirtschaftlichen Techniken und sozialen Praktiken auf.

Zwischen Tradition, Nachhaltigkeit und Innovation

Heute ist der Roggen Teil einer lebendigen Kulturerbedynamik. Im Rahmen der Sammlung geht es auch darum, seine zukünftige Rolle in unseren Konsumentscheidungen zu hinterfragen – im Zusammenhang mit seiner regionalen Verankerung, der Aufwertung lokaler Ressourcen und kurzer Wertschöpfungsketten sowie mit zeitgenössischen Ansätzen wie Low-Tech und Slow Food.

Diese Reflexion ist Teil eines tiefergehenden Wandels unserer Produktions- und Konsummodelle, die mit klimatischen Herausforderungen und wirtschaftlichen Veränderungen konfrontiert sind.

Wissen teilen

Jedes Objekt wird sorgfältig inventarisiert und in der öffentlichen Datenbank der Walliser Museumsvereinigung dokumentiert. Dieser Ansatz spiegelt den Wunsch wider, dieses Gedächtnis als lebendiges, zugängliches und sinnstiftendes Kulturerbe für alle zugänglich zu machen.

Liste der Objekte AVM

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Objektschenkung

Wenn Sie eine Schenkung in Betracht ziehen, nehmen Sie bitte via Formular unten auf der Seite Kontakt mit unserem Team auf. Wir freuen uns, gemeinsam mit Ihnen die Relevanz Ihres Objekts für unsere Sammlung zu prüfen.

Bevor Sie Objekte übergeben, bitten wir Sie, alle verfügbaren Informationen zusammenzutragen, die ihre Geschichte erzählen können: Zeugnisse, Erinnerungen, Fotografien, Archive usw. Dieser Beitrag ist für uns besonders wertvoll, um Ihre Schenkung zu dokumentieren und aufzuwerten.

Es kann vorkommen, dass bestimmte Objekte aus verschiedenen Gründen nicht übernommen werden können (Gefährlichkeit, zu schlechter Erhaltungszustand, unklare Provenienz usw.) oder nicht in unsere Sammlungspolitik passen. In diesem Fall vermitteln wir Sie gerne an andere geeignete kulturelle Institutionen oder Vereine weiter.

Impressionen

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