Hinter den Kulissen der Roggensammlung
Ein Einblick in die Inventarisierung des Roggenkulturerbes
2024 hat die Erlebniswelt Roggen Erschmatt erste Schritte zur Schaffung eines Museums rund um den Roggen eingeleitet. Ziel ist es, dieses Erbe in seiner ganzen Vielfalt zu erfassen: als Natur- und Kulturerbe, in seinen materiellen und immateriellen Ausprägungen. Seither hat sich ein kleines Team von Fachleuten um das Projekt gebildet. Zahlreiche Überlegungen sind in die Erarbeitung eines Sammlungskonzepts eingeflossen. Dieses grundlegende Dokument legt die Basis für die künftige Sammlung, indem es die Auswahlkriterien und thematischen Schwerpunkte definiert, die ihre Ausrichtung bestimmen werden.
Wenn Objekte dazukommen – und manchmal wieder gehen
Parallel zu diesen Arbeiten läuft seit Herbst 2025 die Inventarisierung der Objekte, die sich bereits in unseren Depots befinden. Dabei handelt es sich hauptsächlich um landwirtschaftliche Geräte, aber auch um digitalisierte historische Fotografien.
Bevor ein Objekt inventarisiert wird, prüfen wir seinen Erhaltungszustand sowie seine wissenschaftliche und thematische Relevanz. Nach dieser ersten Begutachtung wird es gereinigt und, sofern erforderlich, gegen einen möglichen Schädlingsbefall behandelt. Da viele Objekte zuvor über längere Zeit in Scheunen oder anderen landwirtschaftlichen Gebäuden gelagert wurden, ist diese sorgfältige Vorbereitung besonders wichtig. Empfindliche Objekte aus Papier, Textilien oder Glas werden anschliessend in geeigneten Kisten aufbewahrt.
Anschliessend beginnt die eigentliche Inventarisierung. Jedes Objekt wird gekennzeichnet, fotografiert, vermessen, detailliert beschrieben und einem Standort zugeordnet. Soweit möglich, recherchieren wir auch seine Geschichte und frühere Verwendung. Alle Angaben werden in einem digitalen Inventardatensatz zusammengeführt. Dieser wird anschliessend in der öffentlich zugänglichen Datenbank des Walliser Museumsvereins (WMV) veröffentlicht.
Zur Objektdatenbank des Walliser Museumsvereins
Leider erfüllen nicht alle Objekte die Voraussetzungen für eine Aufnahme in die Sammlung. Häufig sind sie unvollständig oder durch den Befall holzzerstörender Insekten zu stark beschädigt. In solchen Fällen verfassen wir einen Bericht und nehmen, sofern bekannt, Kontakt mit den früheren Eigentümerinnen und Eigentümern auf, bevor wir das Objekt aus dem Depot entfernen.
Kulturerbe auch in Bildern
Bilder – seien es Plakate, historische Fotografien, digitalisierte Filme oder andere Bilddokumente – spielen eine wichtige Rolle für das Verständnis des Roggenkulturerbes. Sie helfen dabei, Objekte in ihren historischen und gesellschaftlichen Kontext einzuordnen und Praktiken zu dokumentieren, die heute verschwunden sind oder sich verändert haben. Deshalb gehören auch Bilder in unsere Sammlung.
Um unseren noch jungen Bestand zu ergänzen, lancieren wir im Herbst 2026 das Bildersammlungsprojekt «Geteilte Blicke» in der Region Erschmatt und anschliessend im gesamten Wallis.
Obwohl die Inventarisierung von Bildern grundsätzlich ähnlich abläuft wie jene von Objekten, stellt ihre Aufnahme in die Sammlung auch neue Herausforderungen. Zum einen erfordert die Erhaltung physischer Bildträger andere Bedingungen hinsichtlich Luftfeuchtigkeit und Licht. Dafür braucht es entsprechendes Fachwissen und beträchtliche Ressourcen. Deshalb arbeitet unser Verein bei der Erhaltung der materiellen Bildträger mit der Mediathek Wallis zusammen. In unserem Inventar bewahren wir lediglich eine digitale Kopie auf.
Zum anderen sind Bilder urheberrechtlich geschützt – auch dann, wenn die Urheberin oder der Urheber unbekannt ist. Sollen Bilder ausgestellt oder im Internet veröffentlicht werden, müssen deshalb die damit verbundenen Rechte geklärt und, wenn möglich, die erforderlichen Genehmigungen bei den Rechteinhaberinnen und Rechteinhabern eingeholt werden. Diese Abklärungen und die lückenlose Dokumentation der Herkunft und Klärung der Nutzungsrechte gehören ebenfalls zum Inventarisierungsprozess.
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